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Zertifiziert nach EN 1090-2 und jetzt?

Viele Metallbauunternehmen haben das Ziel erreicht und sich erfolgreich nach EN 1090-2 zertifizieren lassen. Das System der Werkseigenen Produktionskontrolle (WPK) ist eingerichtet.

Was nun?
Das Ziel muss jetzt sein, dem Auditor bei der laufenden Überwachung (in der Regel ein Jahr nach der Erstinspektion) zu beweisen, dass das eigene System funktioniert und dass die tragenden Bauteile aus Stahl den Regelwerken entsprechend ausgeführt wurden.
Die Norm fordert von den Betrieben ein internes Audit anhand eines ersten Auftrages je Bauteilfamilie. Einige empfinden diese Erstprüfung als zusätzlichen und sinnlosen Aufwand. Genauer betrachtet ist der Aufwand einer solchen Erstprüfung aber eher gering und hilft systematische Fehler in der eigenen Herstellung aufzudecken.

Aus EN 1090-2 Abschnitt 6.2.1
„Die Erstprüfung umfasst die Gesamtheit von Prüfungen und Verfahrensweisen, mit denen alle für den Produkttyp repräsentativen Leistungsmerkmale stichprobenartig bestimmt werden. Zweck der Erstprüfung ist nachzuweisen, dass der Hersteller über die Voraussetzungen verfügt, tragende Bauteile und Bausätze nach dieser Europäischen Norm liefern zu können.“

In EN 1090-1, Tabelle 1 oder im Formblatt 010 des BVM-Fertigungshandbuches EN 1090 findet sich der Prüfumfang, der bewertet werden muss.

zertifizierung
Auszug aus EN 1090-1, Tabelle 1

Wie führt man eine solche Erstprüfung sinnvoll durch?
In der zweiten Zeile der Tabelle 1 ist die Kontrolle der Eigenschaft „Zulässige Abweichungen für Maße und Form“ gefordert. Die Anforderung ergibt sich aus EN 1090-1, Abschnitt 4.2. Es muss also geprüft werden, ob das eigene gewählte und in Verfahrensbeschreibungen definierte System funktioniert und entsprechende Fehler gefunden werden können. Die Verfahrensbeschreibungen finden Sie im eigenen Handbuch.

Folgende Fragen sollten Sie sich dazu stellen:
Ist die Person, die mit einer Maßprüfung betraut ist, überhaupt in der Lage richtig zu messen? Bei einem Gesellen ist natürlich davon auszugehen. Kann der Mitarbeiter die wichtigen Maße aus der Zeichnung lesen, kennt er entsprechende Toleranzen (grundlegende und ergänzende Toleranzen)? Ist geregelt, welche Messwerkzeuge zur Verfügung stehen und wie diese in Ordnung gehalten werden? Dabei muss kein Maßband in ein Prüflabor gegeben werden. Entscheidend ist der vernünftige Umgang und z.B. eine Sichtprüfung der Messmittel, wie im BVM-Fertigungshandbuch EN 1090 beschrieben.
Ist der Mitarbeiter in der Lage, die gemessenen Ergebnisse zu bewerten? Beaufsichtigt der Verantwortliche (z.B. der Meister) in sinnvollen Abständen die Prüfung und Bewertung der Ergebnisse? Was passiert, wenn Fehler, also Nichtkonformitäten, auftreten?
Was sich zu kompliziert anhört, gehört in guten Handwerksbetrieben zum normalen Betriebsalltag. Natürlich werden Maßkontrollen durchgeführt – aber handwerksgerecht. Ist ein Mitarbeiter nicht in der Lage zu messen oder Ergebnisse zu bewerten, wird er unterwiesen.
Die Erstprüfung muss nur noch dokumentiert werden. Dazu gibt es ein einfaches Formblatt im BVM-Fertigungshandbuch EN 1090.

Fazit:
Binden Sie Ihre Mitarbeiter aktiv in die Erstprüfung ein. Ich empfehle, vor allem Auszubildende eine eigene Erstprüfung ihrer ersten kleinen Bauteile durchführen zu lassen. Der eher theoretische Umgang mit den Themen in der Berufsschule wird auf diese Weise vertieft und in der Praxis gefestigt. Wichtig ist, auch bei der laufenden Prüfung während der Werkseigenen Produktionskontrolle, dass solche Prüfungen nicht in eine aufwändige und zeitraubende Sonderleistung münden, sondern dass ein sinnvolles Instrument für eine gute Qualität geschaffen wird.
Lassen Sie sich von den technischen Beratern im Verband helfen. Nutzen Sie regelmäßig Erfahrungsaustausche im Rahmen von Veranstaltungen der Innungen, Landesverbände und des Bundesverbandes. Ein vermeidbarer Fehler kostet häufig viel mehr, als einmalig ein System zu etablieren, das Fehler und Ärger vermeiden hilft.

Stephan Stickling
(Dipl.-Ing FH, IWE)
Bundesverband Metall
Huttropstraße 58
45138 Essen
 
 


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letzte Änderung: 16.03.2017