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Arbeitshilfe: Feuerverzinkung – Nacharbeit und Ausbessern

Für den Metallbauer stellt sich bei der täglichen Arbeit bei Fehlstellen ohne Zink- überzug auf Metalloberflächen häufig die Frage: Sind diese Stellen hinnehmbar, darf ich örtlich nacharbeiten? Und wie sind diese Arbeiten normgerecht auszuführen? In welchem Maße dürfen nachgebesserte Stellen dauerhaft sichtbar sein? Darüber informieren die Experten des Bundesverbands Metall in dem nachfolgenden Artikel.

Fehlstellen entstehen schnell auf dem Transport der Metallelemente zur Baustelle oder bei  Montagearbeiten. Sie können aber auch unvermeidbar sein, weil, bedingt durch die Bauteilgröße, mit einem Montagestoß gearbeitet werden muss. Dabei kann es sich entweder um Schraubverbindungen oder um Verschweißungen handeln, die in jedem Fall zu Fehlstellen in der Verzinkung führen.

feuerverzinkungDie Grundsätze und Voraussetzungen für eine Ausbesserung sind in der DIN EN ISO 1461 erklärt. Die aktuelle Fassung dieser Norm stammt aus dem Jahr 2009. Diese Norm ist die technische Regel für durch Feuerverzinken auf Stahl aufgebrachte Zinküberzüge, dem Stückverzinken. Sie wird von den Betrieben angewendet, die als Dienstleistung Feuerverzinkungen für die Metallbauer und Stahlbauer ausführen. Sie gibt aber auch die technischen Regeln für die Metallbauer und Stahlbauer in Bezug auf feuerverzinkte Oberflächen vor. D.h., auch bei der weiteren Verarbeitung und Montage der feuerverzinkten Metallelemente kann diese Norm in Bezug auf die Nachbesserung

Von oben nach unten:
Vorbearbeitete schadhafte Stelle,
Ausbesserung mit Zinkstaub und
Nachmessung der Mindestschichtdicke
Bildnachweis: BVM

eventuell vorhandener Fehlstellen angewendet werden (Anhang C/informativ der DIN EN ISO 1461).

In Kapitel 6.3 der DIN EN ISO 1461 ist zunächst beschrieben: „Die Summe der Bereiche ohne Zinküberzug, die ausgebessert werden müssen, darf 0,5 Prozent der Gesamtoberfläche eines Einzelteils nicht überschreiten. Ein einzelner Bereich ohne Überzug darf die Größe von 10 cm² nicht übersteigen. Falls größere Bereiche ohne Überzug vorliegen, muss das betreffende Bauteil neu verzinkt werden, falls keine andere Vereinbarung zwischen dem Kunden und dem Feuerverzinkungsunternehmen getroffen werden.“  Im Wortlaut bezieht sich die Norm an dieser Stelle auf das Vertragsverhältnis zwischen dem Verzinkungsbetrieb und dem Kunden, in der Regel dem Metallbauer.

Für die Montage ist der informative Anhang C der DIN EN ISO 1461 maßgeblich. Dort heißt es: „Die Größe der tolerierbaren Flächen, die ausgebessert werden, sollten sich an den zulässigen Werten für Fehlstellen beim Feuerverzinken orientieren.“ Für den Metallbauer ist das eine Empfehlung, an die er sich halten kann, aber nicht muss. Er sollte jedoch bedenken, dass in einem evtl. Streitfall die Angaben in diesem informativen Anhang der Norm als Argumentation für eine Zulässigkeit oder Unzulässigkeit der Größe der Fehlstellen herangezogen werden können.

Planmäßiges Entfernen der Zinkschichten, wie insbesondere bei Montagestößen, ist außerhalb der Betrachtung und fällt nicht unter diese Regelung. Bei Montagestößen sind die Flächenangaben für einzelne Bereiche ohne Überzug in der Größe von maximal 10 cm2 oft nicht einzuhalten. Aber auch hier sind die Stellen, die nachgearbeitet werden, so klein wie möglich zu halten. Im Schadensfall, wenn z. B. Korrosion eingesetzt hat, muss der Ausführende davon ausgehen, dass untersucht wird, ob es möglich gewesen wäre, die Stelle der Nacharbeit kleiner zu gestalten.

Als nächstes stellt sich dem Metallbauer die Frage, welches Verfahren er für die nachträgliche Verzinkung einsetzt. Nach DIN EN ISO 1461 sollten folgende Verfahren gewählt werden:

- Thermisches Spritzen mit Zink
- Zinkstaubbeschichtung
- Verwendung von Loten auf Zinkbasis

Das am häufigsten und am einfachsten einzusetzende Verfahren ist die Zinkstaubbeschichtung. Bei der Wahl des Zinkstaubmediums ist darauf zu achten, dass die Zinkstaub-Pigmente der ISO 3549 entsprechen. Die aus dem Handel bekannten, zinkpigmentierten Beschichtungsstoffe in Sprühdosen entsprechen häufig in ihrer Zusammensetzung nicht der ISO 3549.

Die Schichtdicke des ausgebesserten Bereiches muss mindestens 100 µm betragen.

Vor der Ausbesserung müssen Verunreinigungen entfernt werden. Die Oberflächen müssen so vorbereitet werden, dass sie ein ausreichendes Haftungsvermögen sicherstellen.
Zudem stellt sich dem Metallbauer dann die Frage: In welchem Umfang dürfen die Stellen nach erfolgter Ausbesserung dauerhaft sichtbar sein?

Dazu wird in der Norm DIN EN ISO 1461 keine direkte Aussage getroffen. Der Metallbauer sollte an dieser Stelle jedoch bedenken, dass er seinem Kunden eine feuerverzinkte Oberfläche versprochen hat. Aus diesem Grund sollten diese Stellen zwar eine Überlappung mit dem intakten Zinküberzug sicherstellen, auf der anderen Seite aber auch so klein wie möglich ausgeführt werden.

Erhöhte Ansprüche an das Aussehen der feuerverzinkten Oberflächen
Die DIN EN ISO 1461 definiert das Gesamterscheinungsbild in Kapitel 6.1 folgendermaßen: „Der Hauptzweck des Zinküberzugs ist der Schutz des darunter liegenden Eisen- oder Stahlwerkstoffs vor Korrosion. Betrachtungen zur Ästhetik und zu den dekorativen Eigenschaften sollten zweitrangig sein. Falls diese zweitrangigen Eigenschaften von Bedeutung sind, wird dringend empfohlen, eine Vereinbarung zwischen Feuerverzinker und Kunden hinsichtlich der erreichbaren Qualität der Oberfläche zu treffen, unter Berücksichtigung der verwendeten Werkstoffe. Dies ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn die geforderten Qualitätsanforderungen für die Oberfläche außerhalb der Festlegungen dieser Norm liegen.“

In erster Linie regelt die Norm auch an dieser Stelle die zu erwartenden Qualitätsmerkmale der Zinkoberflächen zwischen dem Verzinkungsbetrieb und dem Kunden. Hintergrund ist, dass die chemische Zusammensetzung der verschiedenen zu verzinkenden Werkstoffe unterschiedliche Erscheinungsbilder der Feuerverzinkung erzeugen. In der Praxis ist es nicht möglich, eine definierte und gleichmäßige Oberflächenqualität von Zinküberzügen zu erzeugen.  

Für den Metallbauer heißt das aber auch, dass das äußere Erscheinungsbild zwar zweitrangig, jedoch nicht unbedeutend ist. Gemeinsam mit dem Aspekt, dass der Metallbauer dem Kunden eine feuerverzinkte Oberfläche versprochen hat, sollte es im Interesse des Handwerkers liegen, möglichst kleine nachgebesserte Stellen zu erzeugen, um keinen Ansatz einer Mängelrüge zu bieten. 

Schweißarbeiten an feuerverzinkten Metalloberflächen
In der Praxis ist es manchmal erforderlich, am Montageort an feuerverzinkten Elementen zu schweißen. Zink beeinflusst die Schweißeigenschaften von Metallen negativ. Infolge der hohen Temperaturen beim Schweißen verbrennt bzw. verdampft der Zinküberzug. Die entstehenden Zinkoxiddämpfe erzeugen Spritzer und verursachen Poren in der Schweißnaht. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Zinküberzug vor dem Schweißen an den betreffenden Stellen entfernt wird. Die metallisch reinen Teile können dann geschweißt werden.

Der unter diesen Bedingungen hergestellte Montagestoß kann dann durch eines der oben angegebenen Verfahren nachverzinkt werden.

Schweißverbindungen an Montagestößen aus Hohlprofilen führen zu nicht verzinkten Bereichen in den Hohlräumen. Nach DIN EN 1090-2, Abschnitt 10.5 Verzinken, muss der eingeschlossene Hohlraum im Allgemeinen innenseitig verzinkt werden, falls nicht, muss festgelegt werden, ob diese eingeschlossenen Hohlräume abgedichtet werden müssen. Hintergrund ist, dass auch die Feuerverzinkung an den Flächen im Rohrinnern im Wärmeeinflussbereich zerstört wird. Eine Nahtvorbereitung und Nachbearbeitung ist an diesen Stellen nicht möglich. Durch die vorhandenen und beim Verzinkungsvorgang notwendigen Entlüftungsbohrungen können aber auch die Rohrinnenwände der Witterung ausgesetzt sein.


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letzte Änderung: 16.03.2017