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Essen, 29. August 2016

PRESSEMITTEILUNG

Konjunktur-Blitzumfrage: Metallbauer für die zweite Jahreshälfte sehr optimistisch – die Lage der Zulieferer wird deutlich schlechter

Das Metallhandwerk insgesamt zeigt sich mit einer leicht abnehmenden Tendenz sehr gut in Form. Vor allem die Lage der klassischen Zulieferer in der Feinwerkmechanik (Maschinen- und Werkzeugbau, Feinmechanik u.a.) trübt sich ein.
87,2 Prozent aller befragten Unternehmen beschreiben ihre derzeitige wirtschaftliche Lage als mindestens befriedigend (Anfang 2016: 89 Prozent). 63,9 Prozent beschreiben ihre Lage sogar als gut oder sehr gut (Anfang 2016: 67 Prozent).

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Aber die Branchen weisen durchaus deutliche Unterschiede auf: 70,6 Prozent aller befragten Metallbauer schätzen ihre wirtschaftliche Lage als sehr bis gut ein (1 Prozent niedriger als Anfang 2016). Bei den Feinwerkmechanik-Unternehmen liegt dieser Wert aber nur bei 46,5 Prozent und außerdem 9 Prozent niedriger als Anfang des Jahres. Nur noch 9,3 Prozent der Feinwerkmechanik-Unternehmen halten ihre Lage für sehr gut. Das sind 3,7 Prozent weniger als vor sechs Monaten.

Die Entwicklung des Auftragsbestandes ist durchwachsen: 51 Prozent der Unternehmen haben ihren Auftragsbestand gehalten. 31,2 Prozent konnten einen Zuwachs verzeichnen. Bei 17,6 Prozent ist der Auftragsbestand gesunken. Den größten Rückgang verzeichnet die Feinwerkmechanik. Fast jedes vierte Unternehmen (23 Prozent) gibt an, dass die Aufträge rückläufig sind.

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Der Eindruck einer gespaltenen Konjunktur, wird von den Antworten auf die Frage, was die Unternehmen für die nächsten sechs Monate erwarten, noch verstärkt. Zwar erwarten zwei Drittel der Befragten keine wesentliche Veränderung ihrer Lage. Doch während 18,4 Prozent der Metallbauer für die zweite Jahreshälfte eine weitere Verbesserung ihrer Situation erwartet, trifft nur auf 8,1 Prozent der Feinwerktechnik zu. Umgekehrt rechnen 19,2 Prozent dieser Unternehmen sogar mit weiteren Verschlechterungen.
In diesen Zahlen spiegelt sich nach Einschätzung der BVM- Experten die gespaltene Konjunktur wieder: Ein boomender Baubereich (Binnenmarkt) und schwankende bzw. leicht rückläufige Auftragseingänge bei Feinwerkmechanik, die überwiegend als Zulieferer der Industrie tätig sind, und eine wachsende Konkurrenz durch neue Player auf dem Weltmarkt.
Die Investitionsbereitschaft im Metallhandwerk ist derzeit hoch. 48 Prozent aller Metallbauer und 43,6 aller Feinwerkmechanik-Unternehmen planen Investitionen in Gebäude, Maschinen und Geräte oder Personal.

Nicht auskömmliche Marktpreise sind im Moment für 11,6 Prozent der feinwerkmechanischen Unternehmen ein Problem. Im Metallbau liegt diese Kennziffer bei 7,3 Prozent. Die Hälfte der Metallbauer und 43 Prozent der Feinwerkmechaniker sind mit den Marktpreisen zufrieden.
Die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Ausgangslagen der beiden Branchen spiegeln sich auch bei der Bewertung der zu bewältigenden Herausforderungen wider. An erster Stelle steht bei allen Unternehmen die Sorge, genügend Fachkräfte zu finden (65 Prozent im Metallbau, 54,1 Prozent in der Feinwerkmechanik). An zweiter Stelle steht der Preiswettbewerb auf den Märkten. Nur 9,2 Prozent der Metallbauer, aber 26,2 Prozent der Feinwerkmechaniker beklagen einen Mangel an Aufträgen. Steigende Materialpreise beschäftigen den Metallbau stärker als die Feinwerkmechanik. Für rund ein Drittel aller Unternehmen ist die Nachwuchssorge ein zentrales Thema.

Die größten Schwierigkeiten

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Fachkräftesicherung steht auch im Fokus der Verbandsarbeit
Das Arbeitskräftepotenzial wird sich bis 2025 um rund 6,5 Millionen Personen verringern (Quelle: BA 2011:7). Auch für das Handwerk ist es nicht überall einfach, Nachwuchs zu finden. Die sinkende Zahl der Schulabgänger macht sich im Ausbildungsgeschehen inzwischen sehr deutlich bemerkbar. Dramatisch ist vor allem in den neuen Bundesländern das Wegbrechen von Ausbildungsbetrieben und –verträgen, während besonders starke Regionen wie Niedersachen oder Baden Württemberg mit einem sehr hohen Bestand an ausbildenden Betrieben glänzen.
Der Bundesverband Metall und seine Mitglieder, die Landesverbände, und die Innungen vor Ort arbeiten seit Jahren daran, die Ausgangslage der Metallbetriebe im Wettbewerb um die Jugend zu verbessern. Eine wachsende Zahl Berufsorientierungsbeauftragten ist vor Ort aktiv. Sie wurden mit Materialien ausgestattet, die ihre Arbeit erleichtern. Mit Workshops in Schulen, mit Lehrmaterialien, die über das Metallhandwerk informieren, und mit attraktiven Inszenierungen auf Berufsbildungsmessen arbeiten sie zunehmend erfolgreich daran, über die Karrieremöglichkeiten im Metallhandwerk zu informieren. Auch Schulmessen und Schulkooperationen haben sich bewährt. Eine aktuelle Befragung belegt, dass 85 Prozent diese Unterstützung durch den Bundesverband als gut bis sehr gut bewerten. Als Motiv für Engagement geben die ehramtlichen Nachwuchs-Aktivisten die Nachwuchsakquise für den eigenen Betrieb, die Unterstützung ihrer Innungen und einer allgemeinen Verbesserung des Berufsimages an.

Integration der Flüchtlinge beschleunigen: Metallverband erprobt neue Wege
Das Metallhandwerk ist bereit und sehr daran interessiert, Flüchtlinge auszubilden und als Fachkräfte an sich zu binden. Bisher dauert der Integrationsprozess in Ausbildung und Arbeit zu lange.
Um dies zu beschleunigen hat der Fachverband Metall Bayern in Partnerschaft mit einem Bildungsdienstleister eine Online-Plattform entwickelt, die die erforderlichen Sprach- und interkulturellen Kenntnisse lernortunabhängig in deutlich kürzerer Zeit vermittelt. Nach einer ersten Überprüfung der Voraussetzungen werden die Kandidaten in ausgewählten Betrieben modular ausgebildet und auf den Arbeitsalltag in metallverarbeitenden Betrieben vorbereitet. Bereits nach sechs Monaten können sie als Metallhelfer eingesetzt werden und sind daher auch in der Lage ihren Lebensunterhalt selber zu bestreiten. Dieses Vorgehen hat sich als sehr integrationsfördernd erwiesen. Weitere Qualifikationsstufen, die diesen MitarbeiterInnen offen stehen, sind die „Fachkraft für Metalltechnik“ und der Vollberuf „Metallbauer/Feinwerkmechaniker“. Dieses Verfahren wird im Rahmen eines Pilotprojekts derzeit regional getestet.

BVM-Präsident Erwin Kostyra: „Wir begrüßen ausdrücklich die mit dem kürzlich beschlossenen Integrationsgesetz verbesserten Regeln für die Ausbildungsförderung. Sie schaffen Rechtssicherheit bezüglich des Aufenthaltsstatus während und nach der Ausbildung und kommen damit den Anstrengungen im Metallhandwerk entgegen“.

Das Metallhandwerk in Deutschland
Rund 36.500 kleine und mittlere Unternehmen, 28.000 Lehrlinge, 465.000 Mitarbeiter und rund 57 Milliarden € Umsatz: Das ist Metallhandwerk in Deutschland. Nicht nur zahlenmäßig und als Arbeitgeber ist das Metallhandwerk unverzichtbar. Metallhandwerk steht für die ganze Vielfalt metallverarbeitender Unternehmen, die unser Industrieland braucht: Maschinenbau, Werkzeugbau, Metall- und Stahlkonstruktionen im Hoch- und Tiefbau, Klimaschutz und Mobilität, öffentliche Infrastruktur und modernes Wohnen. Metallbetriebe – vom Bronzegießer über den Metalldesigner bis zum Hightech-Unternehmen – finden wir überall, wo produziert, gebaut und gewohnt wird. Als Künstler und Konstrukteur, von der Planung bis zur Ausführung oder vernetzt mit Partnerbetrieben lösen Metallhandwerker die kleinen und großen Probleme ihrer Kunden. Exportweltmeister Deutschland? Nicht ohne das Metallhandwerk.

 

Bundesverband Metall (BVM)
Karlheinz Efkemann/ Informationsstelle Unternehmensführung/ Öffentlichkeitsarbeit
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E-Mail karlheinz.efkemann@metallhandwerk.de/ Internet www.metallhandwerk.de

 

 


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letzte Änderung: 16.03.2017