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Vorsicht beim Beschlagtausch

Beschläge: Durch die neue Normung ändert sich auch für den Austausch von Beschlägen bei feuerhemmenden Bauelementen einiges.

Beim baulichen Brandschutz kommt es besonders auf die ,,inneren" Werte der Konstruktion inklusive aller Details an, zu denen neben den Profilen, der Dichtung auch die Beschläge zählen. Mit der Einführung der Produktnorm EN 16034 ist eine europaweite CE-Kennzeichnung voraussichtlich ab November 2016 möglich. Es ändern sich aber auch die Verwendung der Nachweise sowie die  Regeln zum Austausch von Beschlägen und Schlössern. Diese sollte der Metallbauer kennen, um dafür die notwendigen Prüfzeugnisse und Zertifikate zu aktualisieren und von den Beschlagherstellern anzufordern. Danach kann die Abstimmung mit einer erfahrenen und kompetenten notifizierten Produktzertifizierungsstelle (NPZ) erfolgen, die in Zukunft über die Verwendbarkeit der Beschläge entscheidet.

Berücksichtigen Sie die Koexistenzphase
Der Austausch von Beschlägen kann bis zum Ende der Koexistenz-phase am 1. November 2019 noch auf Basis der sogenannten ,,Liste der geprüften Zubehörteile zur Verwendung an FSA" erfolgen.
Diese Liste, ein Anhang zum Dokument A der Zulassung in Deutschland, enthält alle mit dem Feuerschutzabschluss (FSA) geprüften Zubehörteile. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Beschlag in einer Prüfung des Feuerwiderstands, der Dauerfunktion oder/und der     Rauchdichtheit mit dem FSA geprüft wurde. Andere Beschlagteile werden dort nicht gelistet.

Der Austausch der Beschläge erfolgt heute auf Basis der wesentlichen Kennwerte in Eigen-verantwortung des Herstellers. Weitere Voraussetzung ist, dass der Beschlag an sich für die Verwendung an Feuer- und Rauchschutzabschlüssen geeignet ist. Die Liste wird bei der Beantragung der Zulassung vom Hersteller erstellt. Darin werden wesentliche Eigenschaften der geprüften Beschlagteile erfasst. Das sind in der Regel das Material, die Befestigung, die Größe von Ausnehmungen, die Abmessungen, der Verwendbarkeitsnachweis sowie beschlagspezifische Details wie die Zahl der Fallen, der Falleneinstand und das Dornmaß eines Schlosses.

Tauschen Sie normkonform aus
Um nun ein Beschlagteil auszutauschen, muss der Hersteller die Kennwerte des neuen Beschlagteils erfassen und mit dem eines mit seinem FSA geprüften Beschlag vergleichen. Sind die Kennwerte mindestens gleichwertig beziehungsweise nicht kritischer, darf der Austausch vorgenommen werden. Es sind immer Feuerwiderstand und Dauerfunktion und bei Rauchschutzabschlüssen (RSA) auch die Rauchdichtheit zu vergleichen. In manchen Fällen ist der Einfluss auf die Eigenschaften gegenläufig, so dass nur bei Gleichheit ausgetauscht werden darf. Der Vergleich der Kennwerte ist die Aufgabe des Herstellers und nicht des Überwachers.

Beachten Sie die neuen Austauschregeln
Der Austausch bei FSA und RSA mit CE-Kennzeichnung nach Produktnorm erfolgt auf Basis des erweiterten Anwendungsbereichs für die jeweilige Eigenschaft, festgelegt in den ,,Exap"- Normen. Für Rauchdichtheit gibt es die EN 15269-20, für Feuerschutzabschlüsse, abhängig von der Bauart, die Teile 2 (Stahlblechtüren), 5 (Metallrahmentüren) und weitere Teile der EN 15269-x. Für die Dauerhaftigkeit der selbstschließenden Eigenschaften (,,Dauerfunktion") ist eine eigene Normen-Serie (EN 17020-xx) in Erarbeitung, die, nach Material und Bauart getrennt, gelten wird. Ein weiterer Baustein ist die Leistungsbeschreibung nach EN 16035 für Beschläge. In der Leistungsbeschreibung, englisch ,,hardware performance sheet" (HPS), werden alle wichtigen Kennwerte und Prüfergebnisse eines Beschlagteils zusammengefasst. Die Grundlage bildet die EN 16035. Das HPS gliedert sich in drei Teile, die Kennwerte des Beschlags, die Liste der Prüfungen und die Bauarten der Abschlüsse, für die Nachweise vorliegen.
Es ist vorgesehen, dass das HPS durch den Beschlaghersteller geführt wird. Dabei können Prüfungen etwa im Kleinbrandversuch nach EN 1634-2 genauso einfließen wie auch Prüfungen gemäß EN 1634-1, EN 1634-3 beziehungsweise EN 1191/EN 12605 zum Beispiel in Zusammenarbeit mit FSA- beziehungsweise RSA-Herstellern. Wichtig ist, dass der Beschlaghersteller alle im HPS genannten Prüfberichte besitzt, beziehungsweise über die Nutzungsrechte verfügt. Gemäß EN 1634-1 sind auch Kurzberichte verwendbar, die neben der Beschreibung des Beschlagteils nur die für das HPS notwendige Beschreibung des FSA enthalten, so dass der FSA-Hersteller sein Know-how nicht aus der Hand geben muss.

Achten Sie auf die Leistungsbeschreibung
Auch bei zukünftig CE-gekennzeichneten FSA und RSA erfolgt der Austausch auf Basis des Vergleichs eines geprüften Beschlags mit dem neu auszutauschenden Beschlag. Der Beschlag muss mindestens für die Verwendung an FSA und RSA geeignet sein. Dies ergibt sich aus dem Klassifizierungsschlüssel des CE-Zeichens des Beschlags. Des Weiteren werden die Kennwerte der Beschlagteile (siehe Tabelle 2 im Downloadbereich zum aktuellen Heft) verglichen, wobei in der jeweiligen Exap-Norm festgelegt wird, ob der jeweilige Parameter gleich, größer oder kleiner werden darf. Als dritte Voraussetzung kommt hinzu, dass sich das Beschlagteil in ähnlichen Konstruktionen nicht negativ auf die jeweilige Eigenschaft ausgewirkt hat. Alle drei Informationen können der Leistungsbeschreibung des Beschlags nach EN 16035 entnommen werden, die der Beschlaghersteller zusammenstellt. Der Austausch wird dann durch die notifizierte Zertifizierungsstelle bewertet, unter deren Verantwortung der Klassifizierungsbericht und der Bericht zum erweiterten Anwendungsbereich als baurechtlich relevante Dokumente erstellt werden.

Fazit: Berücksichtigen Sie die Änderungen
Die prinzipielle Eignung des Beschlags bleibt gleich, wobei zukünftig bei CE-gekennzeichneten Abschlüssen nur mehr Beschläge mit europäischen Nachweisen herangezogen werden können. Die relevanten Kennwerte der neuen Beschlagteile müssen mit bereits geprüften Beschlagteilen vergleichbar sein und der Hersteller wird zukünftig die Kennwerte bei seiner Zertifizierungsstelle vorlegen müssen. Neu ist, dass neben den Kennwerten auch das HPS des Beschlagteils vorgelegt werden kann. Daraus wählt die Zertifizierungsstelle wiederum die benötigten Prüfberichte aus, die der Hersteller des Beschlagteils zur Verfügung stellt beziehungsweise die vom Hersteller des FSA beziehungsweise RSA vorgelegt werden. Auch diese Dokumente werden durch die Zertifizierungsstelle geprüft. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die fachliche Kompetenz und die Schnelligkeit der Zertifizierungsstellen. Durch die effiziente Sammlung aller notwendigen Daten mit einem HPS kann der Vorgang der Kennzeichnung deutlich beschleunigt werden.
Quelle: M&T 11/ 2016


BeschlagWebSchlösser und Beschläge haben einen
großen Einfluss auf die Klassifizierung
von feuerhemmenden Bauelementen
wie Fenster, Türen und Tore.

 

 

 

 

 

 

 

 


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letzte Änderung: 16.03.2017