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Neue Fakten zur Brandschutznorm

Normung: Ab dem 1.November 2016 beginnt die dreijährige Koexistenzperiode für die harmonisierte europäische Produktnorm DIN EN 160345 – allerdings mit Einschränkungen.

Den aktuellen Stand zur DIN EN 16034 Türen, Tore und Fenster; Produktnorm, Leistungs-eigenschaften; Feuer- und/oder Rauchschutzeigenschaften muss man sich manchmal in Erinnerung rufen, um nicht den Überblick zu verlieren.
Seit nahezu zwei Jahrzehnten geistert die Veröffentlichung einer harmonisierten europäischen Produktnorm zu Feuerschutzabschlüssen durch die Fachwelt.
Vor ungefähr sieben Jahren beschlossen die Normengremien, eine einheitliche harmonisierte europäische Produktnorm für Feuerschutzabschlüsse zu konzipieren. Das Ergebnis wurde im Dezember 2014 als DIN EN 16034 veröffentlicht.

Achten Sie auf den Beginn der Koexistenzphase
Der Beginn der Koexistenzperiode zur DIN EN 16034 wurde im Amtsblatt der EU vom 10. Juni 2016 nach einer Verschiebung mit dem 1. November 2016 angegeben. Feuerschutzabschlüsse allein nach DIN EN 16034 soll es nicht geben, wie aus dem DIBt und der Europäischen Kommission zu erfahren war. Dazu soll im September oder Oktober 2016, also rechtzeitig vor Beginn der Koexistenzperiode, eine Klarstellung der Europäischen Kommission veröffentlicht werden.
Diese Klarstellung besagt, dass Feuerschutzabschlüsse nach DIN EN 16034 immer einen Verweis auf eine harmonisierte europäische Produktnorm für das jeweilige Bauprodukt aufweisen müssen. Feuerschutztüren für Außenanwendungen sind somit nach DIN EN 16034 und DIN EN 14351-1 herzustellen und zu kennzeichnen. Innentüren als Feuerschutztüren sind nach DIN EN 16034 und DIN EN 14351-2 zu kennzeichnen. Da DIN EN 14351-2 nur als Entwurf vorliegt, können somit keine Innentüren als Feuerschutztüren hergestellt werden!
Feuerschutztore können hergestellt werden und sind mit DIN EN 16034 und DIN EN 13241-1 zu kennzeichnen. Dicht und selbstschließende Türen fallen in den Geltungsbereich der DIN EN 16034. Auch dabei gilt jedoch die Vorgabe, dass diese Türen nach DIN EN 16034 und DIN EN 14351-2 zu kennzeichnen wären.

Kennzeichnen Sie Innentüren weiterhin mit dem Ü-Zeichen
Somit ist ab dem 1. November 2016 nur die Herstellung, Kennzeichnung und Inverkehrbringung von Außentüren und Toren mit der Eigenschaft Feuerschutz und/oder Rauchschutz möglich. Für Innentüren gelten bis zur Veröffentlichung der DIN EN 14351-2 die altbekannten Vorgaben. Innentüren müssen somit bis auf weiteres ein Ü-Zeichen sowie einen Verwendbarkeitsnachweis in Form einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung aufweisen. Überraschend ist diese Aussage der Europäischen Kommission nicht.
Mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 16. Oktober 2014, Aktenzeichen C-100/13, wurde die Situation über die Verwendung von Bauprodukten nochmals verändert. In Umsetzung des Urteiles des Europäischen Gerichtshofes wurde von der Bauministerkonferenz eine neue Verwaltungsvorschrift erarbeitet und als Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmung (VV TB) im Entwurf veröffentlicht. Diese VV TB soll die Bauregelliste in weiten Teilen ablösen, als Gültigkeitstermin war der 15. Oktober 2016 im Gespräch.

Achten Sie auf die Termine
Die Bauregelliste B soll mit Inkrafttreten der VV TB aufgehoben werden. Zwischenzeitlich wurde vom Deutschen Institut für Bautechnik DIBt mitgeteilt, dass der ursprünglich geplante Termin 15. Oktober 2016 zum Inkrafttreten der VV TB nicht eingehalten werden kann.
Als frühester Termin wurde der 26. Oktober 2016 genannt. Dies bedeutet jedoch, dass eine weitere Verschiebung nicht ausgeschlossen werden kann.
Einer der Gründe für diese Verschiebung ist in der VV TB begründet. Feststellanlagen für Feuerschutzanschlüsse nach harmonisierter europäischer Produktnorm müssen gemäß VV TB eine allgemeine Bauartgenehmigung aufweisen.
Diese ist für Bauprodukte erforderlich, für die es keine allgemein anerkannten Regeln der Technik oder harmonisierte europäische Produktnormen gibt. Zu Feststellanlagen gibt es bislang keine harmonisierte europäische Produktnorm.
Zurzeit kann jedoch auch keine Bauartgenehmigung erteilt werden, da die Landesbauordnungen dies bislang nicht vorsehen. Vorgaben zur  Bauartgenehmigung finden sich erst in der neuen Musterbauordnung. Eine Bauartgenehmigung kann erst dann erteilt werden, wenn dies in den jeweiligen Landesbauordnungen als möglicher Verwendbarkeitsnachweis aufgeführt ist.

Fazit: Feststellanlagen wie bisher verwenden
CE-gekennzeichnete Feuerschutzabschlüsse mit Feststellanlagen mit Bauartgenehmigung sind erst mit Einführung der neuen Landesbauordnungen möglich. Da jedoch Feuerschutztüren für Innenanwendungen weiterhin eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung aufweisen müssen, sind dort Feststellanlagen mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung zu verwenden - also wie bisher.

Verfasser:
Dipl.-Ing. Hans-Paul Mink
Sachverständiger im Metallhandwerk
Inhaber des Ingenieurbüros Mink
in Rödermark
 


 


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letzte Änderung: 27.10.2017