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Schweißerprüfungen nach DIN EN ISO 9606-1:2013-12
Fragen zur Auslegung?

Der letzte Artikel zum Thema Schweißerprüfung endete mit der Frage:

Darf eigentlich ein zertifizierter Betrieb der Ausführungsklasse EXC1 ohne Schweißaufsichtsperson die halbjährige Bestätigung auf der Prüfbescheinigung unterschreiben?

Dazu steht in der Schweißerprüfungsnorm im Abschnitt 9.2 „Bestätigung der Gültigkeit“, dass die Qualifikation des Schweißers für einen Schweißprozess alle 6 Monate von der Schweißaufsichtsperson oder dem Prüfer/der Prüfstelle bestätigt werden muss. Die Passage aus der alten Prüfungsnorm DIN EN 287-1, dass auch das verantwortliche Personal des Arbeitgebers die Bestätigung unterschreiben darf, ist in der aktuellen Norm entfallen. Für Firmen der Ausführungsklasse EXC1 muss also der Arbeitgeber formal eine Schweißaufsichtsperson (sich selbst oder einen Mitarbeiter) benennen. Dann darf diese Schweißaufsichtsperson die Gültigkeit der Qualifikation halbjährlich bestätigen.
Das externe Prüfer oder Prüfstellen die halbjährige Bestätigung vornehmen, ist nicht wahrscheinlich, da diese Personen ja nicht in den letzten 6 Monaten beim Schweißen im Betrieb zugegen waren. D. h., die Prüfstellen können höchstens eine neue Schweißerprüfung durchführen, was nicht im Sinne der Betriebe ist.

Wie messe ich eigentlich die Nahtüberhöhung bei ungleichen Blechdicken?

Liest man die DIN EN ISO 5817 „Bewertungsgruppen von Unregelmäßigkeiten“ findet man unter lfd. Nr. 1.9 „Zu große Nahtüberhöhung (Stumpfnaht)“ die Bemerkung „Weicher Übergang wird gefordert“.

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Abb. 1: Nahtüberhöhung h, Quelle: DIN EN ISO 5817

Über eine Nahtüberhöhung bei ungleichen Blechdicken verliert die Norm kein Wort. Die Empfehlung des entsprechenden Normenausschusses zur Messung der Nahtüberhöhung bei ungleichen Blechdicken lautet:
Die Nahtüberhöhung ist über die gesamte Nahtbreite immer von der Seite des dickeren Bleches aus zu messen. Der Grund ist die Einfachheit der Messung.

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Abb. 2: Nahtüberhöhung h, Quelle: www.mussmann.org

Schwank am Rande:
Kurioserweise wurde im nationalen finnischen Standard SFS 5500 die Nahtüberhöhung über die Schräge der Nahtbreite gemessen.

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Abb. 3: Nahtüberhöhung h

Ein entsprechendes Messmittel wurde jedoch nie hergestellt.

Muss auf der Schweißer-Prüfbescheinigung beim MAG-Schweißen die Lichtbogenart angegeben werden?

Ja, nach der DIN EN ISO 9606-1 muss beim MAG-Schweißen immer die Lichtbogenart und der Geltungsbereich mit angegeben werden.


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Abb. 4: Schweißer-Prüfbescheinigung

Die ISO 9606-1 besagt im Abschnitt 5.2 Schweißprozesse, dass das Schweißen im Kurzlichtbogenverfahren, also Werkstoffübergang im Kurzschluss, alle anderen Werkstoffübergangsverfahren mit qualifiziert, aber nicht umgekehrt. Damit ist gemeint, dass wenn z. B. in Zwangslage mit einen Kurzlichtbogen geschweißt wird, alle anderen Lichtbogenarten (auch Impulslichtbogen) mit eingeschlossen sind. Wird in einem anderen Lichtbogenverfahren geschweißt, sind alle Lichtbogenverfahren mit eingeschlossen, außer Kurzlichtbogen.

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Abb. 5: Arten von Lichtbogenverfahren, Quelle: Linde Schweißtechnik GmbH

In Abhängigkeit von Spannung [U] und Stromstärke [A] stellen sich verschiedene Lichtbogenverfahren ein. Im unteren Leistungsbereich eher der Kurzlichtbogen, im oberen Leistungsbereich eher der Sprühlichtbogen. Der Impulslichtbogen kann mit der entsprechenden Schweißstromquelle in allen Bereichen auftreten.

Im Normenausschuss wurde insbesondere von Deutschland die Angabe von Lichtbogenarten in der Prüfbescheinigung abgelehnt, da niemand darlegen konnte, bei welchen Parametern z. B. der Kurzlichtbogen aufhört und der Übergangslichtbogen anfängt. Bei der nun anstehenden Überarbeitung des ISO-Standards werden wir wiederum versuchen, die Lichtbogenarten zu eliminieren.

Quintessenz

Seit Dezember 2013 haben wir in Deutschland eine neue Schweißer-Prüfungsnorm DIN EN ISO 9601-1 für Stähle. Es bleiben weitere Unstimmigkeiten und viele Fragen zu diesem neuen Regelwerk bestehen. In der kommenden Revision sollen dann die Fehler berichtigt und Unklarheiten beseitigt werden. Auch der Bundesverband Metall ist bei der Revision der Norm durch den Autor vertreten. Bis dahin sind auch alle Metallbaubetriebe aufgefordert, Anregungen und Probleme mit der Anwendung der Norm an die technischen Berater und an die Fachgruppen der Landesverbände und des Bundesverbandes weiter zu leiten.

Der Autor wird in loser Folge weiter über „Fragen zu ISO 9606-1“ berichten. Fragen gibt es sicherlich genug.

Ansprechpartner beim Bundesverband Metall:

Frank Kania
Technischer Berater
frank.kania@metalhandwerk.de
www.metallhandwerk.de

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letzte Änderung: 27.10.2017