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Feuerverzinken: Dünnere Beschichtungen möglich

Erstmals trägt die überarbeitete Beschichtungsnorm DIN EN ISO 12944 der Langlebigkeit von feuerverzinktem Stahl ansatzweise Rechnung und ermöglicht für Duplex-Systeme um ein Drittel dünnere Beschichtungen im Vergleich zu Beschichtungen auf „schwarzem“ Stahl.

feuerverzinken180803aDie Mindestsollschichtdicken von Beschichtungen auf feuerverzinktem Stahl sind im direkten Vergleich (bei gleicher Schutzdauer und Korrosivitätskategorie) fast immer um ein Drittel geringer als auf „schwarzem“ Stahl. Foto: Institut Feuerverzinken

 

 

 

 

Weitere wichtige Neuerungen der Normenreihe sind eine Erweiterung und neue Unterteilung der Schutzdauerklassen und der zusätzliche Teil 9, der Offshore-Anwendungen regelt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche geänderte Details, die ebenfalls für die Praxis eine große Bedeutung haben.

Duplex-Systeme werden aus gestalterischen Gründen eingesetzt, zur Signalgebung und Tarnung und da, wo eine maximale Schutzdauer notwendig ist. Denn die Schutzdauer eines Duplex-Systems ist deutlich länger ist als die Summe der jeweiligen Einzelschutzdauer aus Verzinkung und Beschichtung. Die Normenreihe DIN EN ISO 12944 Beschichtungsstoffe; Korrosionsschutz von Stahlbauten durch Beschichtungssysteme regelt in den Teilen 1 bis 9 den Korrosionsschutz durch organische Nassbeschichtungssysteme auf „schwarzem“ und auch auf feuerverzinktem Stahl (Duplex-Systeme). Die überwiegend aus dem Jahr 1998 stammende Norm wurde 2018 komplett aktualisiert.

Aktualisierung der Schutzdauerklassen

Es wurden eine vierte Schutzdauerklasse VH (Very High) eingeführt sowie die Zeitspannen der Klassen verändert. Die neuen Schutzdauerklassen sind:

– kurz (L) (englisch: Low) bis zu sieben Jahre,
– mittel (M) Medium) sieben Jahre bis 15 Jahre,
– lang (H) (High) 15 Jahre bis 25 Jahre,
– sehr lang (VH) (Very High) über 25 Jahre.

Die Norm erörtert, dass die angegebene Schutzdauer keine „Gewährleistungszeit“ darstellt. Der Begriff der Schutzdauer ist lediglich ein rein technischer Begriff, der helfen kann, ein Instandhaltungsprogramm festzulegen. Es ist zu beachten, dass sich die Schutzdauer gemäß DIN EN ISO 12944 ausschließlich auf das Beschichtungssystem bezieht und nicht den zusätzlichen Schutz der Feuerverzinkung berücksichtigt.

Erweiterung der Korrosivitätskategorien

Die alten Korrosivitätskategorien C5-I und C5-M wurden in einer Kategorie C5 (sehr starke Korrosivität) zusammengefasst. Neu sind die Korrosivitätskategorie CX (extreme Korrosivität), beispielsweise für Offshore-Anwendungen, sowie die Aufnahme der Kategorie Im4 für durch salz- oder brackwasserberührte Stahlbauten mit kathodischem Korrosionsschutz.

Grundregeln zur korrosionsschutzgerechten Gestaltung

Teil 3 wurde aktualisiert und beschreibt die Grundregeln zur korrosionsschutzgerechten Gestaltung von mit Beschichtungssystemen zu versehenden Stahlbauten. In den Anhängen des Teils 3 werden viele hilfreiche Informationen gegeben. Neben der Angabe von Mindestmaßen bei engen Abständen zwischen Oberflächen unter dem Aspekt der Zugänglichkeit werden zum Beispiel positive und negative Gestaltungsmerkmale zur Vermeidung von Ablagerungen und Wasseransammlungen gegeben. Die Norm verweist ergänzend darauf, dass zum Feuerverzinken vorgesehene Stahlteile den Anforderungen von DIN EN ISO 1461, DIN EN ISO 14713-1 und DIN EN ISO 14713-2 entsprechend gestaltet sein müssen.

Teil 5 der Norm wurde komplett neu strukturiert

Sämtliche Tabellen für Beschichtungssysteme wurden im Hinblick auf die neuen Schutzdauer-Klassen angepasst und um neue Beschichtungssysteme erweitert. Für ausgewählte Beschichtungssysteme auf feuerverzinktem Stahl nach DIN EN ISO 1461 wurden die Mindestsollschichtdicken und/oder die Anzahl der Schichten deutlich reduziert. Generell ist festzustellen, dass die Mindestsollschichtdicken von Beschichtungen auf feuerverzinktem Stahl im direkten Vergleich (bei gleicher Schutzdauer und Korrosivitätskategorie) fast immer um ein Drittel geringer ausfallen als die Mindestsollschichtdicken der Beschichtungen auf „schwarzem“ Stahl (siehe Tabelle).

feuerverzinken180803bBeschichten gemäß DIN EN ISO 12944: Vergleich von gestrahltem Stahl beziehungsweise feuerverzinktem Stahl (Mindestanzahl an Schichten (MNOC) und Mindestsollschichtdicken (NDFT) in Abhängigkeit von der Schutzdauer und der Korrosivitätskategorie).

Oberflächenvorbereitung für das Beschichten von feuerverzinktem Stahl

Bei der Vorbereitung von feuerverzinkten Überzügen wird weiterhin zwischen unbewitterter und bewitterter Oberfläche unterschieden. Feuerverzinkter Stahl nach DIN EN ISO 1461 ist mindestens durch Sweep-Strahlen vorzubereiten, falls nicht anderweitig festgelegt. Sweepen ist ein schonendes Strahlen, das der Reinigung beziehungsweise Aufrauhung der feuerverzinkten Oberfläche dient und eine wichtige Voraussetzung für eine einwandfreie Haftfestigkeit der Beschichtung auf der Feuerverzinkung. Weitere Kriterien sind zum Beispiel das Entfernen von wasserlöslichen Salzen, Staub, Öl, Fett, usw.

Neuer Teil 9 für Bauwerke im Offshore-Bereich

Der neu erstellte Teil 9 der DIN EN ISO 12944 regelt die Leistungsanforderungen an Beschichtungssysteme sowie deren Prüfmethoden und Bewertungskriterien für Bauwerke im Offshore-Bereich und verwandten Umgebungen sowie von Bauten, die in die Kategorien CX und Im4 klassifiziert werden. Der Teil 9 bezieht sich auf Beschichtungssysteme auf „schwarzem“ und auf feuerverzinktem Stahl für die Kategorie CX. Auch hier können im direkten Vergleich Beschichtungen auf Zinküberzügen in Bezug auf die Anzahl der Schichten und der Mindestschichtdicken geringer ausfallen als Beschichtungen auf schwarzem Stahl.

DIN EN ISO 12944 gilt nicht für das Pulverbeschichten

DIN EN ISO 12944 gilt ausschließlich für das organische Nassbeschichten von „schwarzem“ und von feuerverzinktem Stahl. Das Pulverbeschichten wird in DIN EN ISO 12944 nicht geregelt. Wichtige Regelwerke für das Pulverbeschichten sind DIN 55633 Beschichtungsstoffe; Korrosionsschutz von Stahlbauten durch Pulver-Beschichtungssysteme… sowie DIN EN 15773 Industrielle Pulverbeschichtung von feuerverzinkten und sherardisierten Gegenständen aus Stahl (Duplex-Systeme) ...

Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung

Die überarbeitete DIN EN ISO 12944 macht einen ersten Schritt in die richtige Richtung und ermöglicht dünnere Beschichtungen auf feuerverzinktem Stahl. Hierdurch ergeben sich Kosteneinsparungen und ein verminderter Ressourceneinsatz, der auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zu begrüßen ist. Noch immer beziehen sich jedoch die Angaben zur Schutzdauer in der DIN EN ISO 12944 ausschließlich auf das Beschichtungssystem und berücksichtigen nicht den zusätzlichen Schutz der Feuerverzinkung, die zumeist bereits einen ausreichenden Korrosionsschutz für Jahrzehnte bietet.
 

Quelle: M&T

 

 


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letzte Änderung: 15.05.2019