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Aus der Beraterpraxis:
Praxistipps zur Umsetzung der DIN EN 14351-2 Innentüren

Die Entwicklungsphase dieser letzten „großen“ Produktnorm war lang, aber Anfang letzten Jahres ist nun endlich die DIN EN 14351 Teil 2 für Innentüren veröffentlicht worden. Allerdings war mit einer Harmonisierung im November/Dezember 2019 – wie ursprünglich vorgesehen – nicht mehr zu rechnen. Die CE-Kennzeichnung von Innentüren lässt also weiter auf sich warten.

CE-Zeichen nach EN 14351-2, Typ „c“ für Türen als Verbindung zwischen Innenräumen.

Die Norm beschreibt zwanzig technische Eigenschaften von Innentüren – von der „normalen“ Zimmertür bis zur Objekttür mit Anforderungen an Schall- und Brandschutz.

Metallbauer, Tischler, Trockenbauer, Monteure und der Bauelementehandel sollten sich trotzdem mit den Regelungen der Norm und der CE-Kennzeichnung intensiver auseinandersetzen.

Innentüren sind in der Verwendung und durch die gelebte Baupraxis ein etwas unübliches Bauelement. Denn die Produktnorm beschreibt in Absatz 1 „Anwendungsbereich“ drei Verwendungszwecke, aus denen sich recht unterschiedliche Konsequenzen für die Unternehmen ergeben:

a) Türen in „Fluchtwegen“

b) Türen „für besondere Verwendungszwecke mit besonderen Anforderungen“ mit besonderen Anforderungen, zum Beispiel an den Schall-/Wärmeschutz oder an die Luftdichtheit. Hierzu gehören auch motorisierte Drehflügeltüren

c) Türen „lediglich zur Verbindung“ von Räumen, an die keine besonderen Anforderungen gestellt werden. Diese oft als Standard- oder Zimmertüren bezeichneten Türen fallen gemäß Kommissionsentscheid zur Überprüfung der Leistungsbeständigkeit in das Konformitätssystem 4.

Dies bedeutet, dass der Hersteller bei Türen mit Verwendungszweck „c“ die notwendigen Nachweise selbst erstellen darf. Hierzu zählen Aussagen zur Innenraumemission (Freisetzung gefährlicher Stoffe), Stoßfestigkeit bei verglasten Türen mit Verletzungsrisiko, Angaben zur lichten Öffnungshöhe sowie Aussagen zum Brandverhalten der Bauteile. Letzteres ist nichts Neues, denn in Deutschland bestand schon immer die Anforderung, dass alle in Gebäuden verwendeten Baustoffe mindestens normal entflammbar sein müssen.

Nach der jetzt gültigen europäischen Klassifizierung ist dies die Klasse „E“ oder „B2“ nach alter deutscher Lesart gemäß DIN 4102.

CE-Zeichen nach EN 14351-2, Typ „b“ für Türen mit besonderen Anforderungen.

Während Fenster meistens mit Blend- und Flügelrahmen, Dichtungen und Glas aus einer Hand kommen, wird bei Innentüren oft die Zarge zuerst montiert, später wird dann das Türblatt „eingehängt“, und zum Schluss werden die Schließzylinder einer Schließanlage installiert. Und das alles evtl. von unterschiedlichen Firmen. Die Produktnorm gilt aber nur für betriebsfertige Produkte mit den zugehörigen Baubeschlägen, Türschließern, Oberlichtern und Seitenteilen sowie dem Türblatt und der Zarge als wesentliche Komponenten.


Türblätter oder Zargen alleine können daher nicht CE-gekennzeichnet werden. Damit stellt sich die Frage, ob und wer dann eine CE-Kennzeichnung machen darf bzw. muss.
Hersteller ist derjenige, der alle Komponenten einer Tür herstellt oder anbietet und „in den Verkehr“ bringt.

Entscheidend ist dabei nicht, dass Türblatt und Zarge gemeinsam geliefert werden, sondern dass die Komponenten eindeutig als zusammen gehörige Einheit gekennzeichnet wurden und eine Verwechslung durch Monteur oder Bauherr ausschließen. Dabei kann der Hersteller durch eine genaue Definition einzelner Komponenten einen Austausch oder Einsatz von Komponenten zulassen.

In diesem Fall müssen natürlich die Anforderung an die Produktqualität sowie die Art und Weise der Verwendung, Montage, Einstellung etc. vom Hersteller einer CE-gekennzeichneten Tür eindeutig festgelegt sein. Dies ist gerade für die Verwendung von Beschlägen wichtig. Denn ein Hersteller kann mit Bezug auf die deutschen Beschlagnormen, Maße und Toleranzen eine Austauschbarkeit sicherstellen, ohne dass die Eigenschaften des CE-gekennzeichneten Produktes verändert werden.

Das bedeutet aber nicht, dass Zargen und Türblätter nicht alleine in den Handel gelangen dürfen beziehungsweise gehandelt werden können. Denn in Deutschland können Montagebetriebe einfache Zimmertüren (Typ „c“) aus einzelnen Zargen und Blättern auch ohne CE-Zeichen zusammenbauen, wenn dies im direkten Auftrag des Bauherren erfolgt – das heißt, dass diese gemäß BauPVO nicht als CE-kennzeichnungsfähige Bauprodukte in den Verkehr gebracht wurden.
 

 


Dipl.-Ing. Clemens Just
Technischer Berater
F: 0170 – 94 71 531
c.just@metallhandwerk-thueringen.de

 


 


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letzte Änderung: 17.11.2020